„Jedes fünfte Kind“

Wir sind beeindruckt von Catrin Boldebucks Buch „Jedes fünfte Kind“. Die Autorin hat jahrelang Kinder und Jugendliche begleitet, die in Armut aufgewachsen sind. Sie hat viel Leid und Scham gesehen und weiß: Aus der Armut kommt kaum jemand heraus. Sie schreibt, dass Kinderarmut nicht nur moralisch ein Skandal ist, sondern auch volkswirtschaftlicher Irrsinn.

„Armut bedeutet nicht nur, kein Geld für die neueste Mode zu haben, sich nicht die angesagtesten Turnschuhe leisten zu können, sondern sie beschämt, beschädigt und prägt fürs ganze Leben. Sie führt dazu, dass sich ein Kind zu früh Gedanken und Sorgen macht, die schon für Erwachsene schwer zu ertragen sind: Was ist, wenn man uns den Strom abstellt? Wir die Miete nicht zahlen können? Wenn der Kühlschrank leer ist?“

Die Autorin stellt einen Zehn-Punkte-Plan gegen Kinderarmut vor, an dem sich Politik und Gesellschaft orientieren sollten:

Arme Kinder brauchen …

… mehr Sichtbarkeit und Respekt.

… einen guten Bildungsstart.

… die beste Schule, die es gibt.

… die besten Pädagogen und Pädagoginnen, die es gibt.

… bessere Chancen, [auch oder besonders] wenn sie einen Migrationshintergrund haben.

… Kümmerer, Vorbilder, Unterstützter.

… Geld.

… Rechte – und alle anderen Kinder auch.

… Sport, Musik, Theater – und ein warmes Mittagessen.

… ihre Eltern.

Sie schreibt: „Wir lassen diese rund drei Millionen Kinder im Stich […] Die Kinder könnten uns den Spiegel vorhalten. Das Bild, was wir darin sehen würden, wäre nicht sehr schmeichelhaft: eine Gesellschaft von alten, rücksichtslosen Erwachsenen.“

Das Buch ist lässt betroffene Kinder und Familien zu Wort kommen, ist verständlich geschrieben und zeigt auf, wie dringend wir Kinder, die in Armut aufwachsen, mehr unterstützen müssen. Jetzt!

Ein Exemplar des Buches ist in der Stadtbücherei Münster verfügbar.